Afghankultur

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Die Völker Afghanistans
Afghanische Männer
Afghanische Männer

Die 15 bis 18 Millionen Einwohner Afghanistans bestehen aus mehr als 20 Völkern und Volksstämmen.

Die Völker, wie Paschtunen, Tadschiken, Hasaras, Turkmenen, Usbe¬ken, Belutschen, Kirgisen (Pamiri), Nuristani usw. sind ein buntes Spiegelbild der vielen kulturellen Traditionen und der Geschichte des Landes.
Entsprechend der völki¬schen Vielfalt bildet Afghanistan auch keine sprachliche Einheit. Vielen Spra¬chen und Mundarten finden sich nebeneinander.

Die meisten sind so unterschiedlich, dass man sie erst studieren muss, wenn man sich mit der Gruppe gut unterhalten will. Paschtu ist die Sprache der Paschtunen und Dari die Sprache der Tadschiken. Diese beiden Sprachen wurden am 1. Oktober 1964 unter den vielen Sprachen zur offiziellen Sprache des Landes erklärt. Beide Sprachen haben indogermanischen Ursprung und sind etwa 2700 Jahre alt. In Nordafghanistan herrschen neben Dari, Uzbekisch und Turkmenisch vor. Alle Spra¬chen werden seit der Islamisierung mit arabischen Buchstaben geschrieben.

Die Paschtunen

Die Paschtunen bilden ca. 55 % der Gesamtbevölkerung Afghanistans. Die ca. 8 Millionen Paschtunen gliedern sich in verschiedene Stammesverbände auf: Abdali, Ghilzai, Mohmandi, Afridi, Wasiri, Schinwari und noch zahllose kleinere Stämme, Unterstämme und Sippen. Auch die ca. 2 Millionen Nomaden gehören zum größten Teil den paschtunischen Stammes¬verbänden der Durani und Ghilzali an.

Die Tadschiken

Wie die Paschtunen gehören auch die Tadschiken zu den indo-europäischen Völkern. Die genaue Zahl der Tadschiken ist schwer zu bestimmen. Die ca. 20%, etwa 5 Millionen Tadschiken, sprechen eine alte persische Sprache, die Dari genannt wird. Ihr Siedlungsgebiet befindet sich hauptsächlich im Norden und Nordwesten des Landes. Mit Ausnahme des fast aus¬schließlich paschtunischen Südostens sind sie darüber hinaus im ganzen Landesgebiet anzutreffen. Die Tadschiken weisen eine deutliche Vorliebe für die Städte auf. Daher besteht die überwiegende Zahl der Einwohner Kabuls und vieler anderer Städte aus Tadschiken. Sie bilden auch einen großen Teil der städtischen Intelligenzschicht, Handwerker, Händler und Beamte.

Die Hazaras

Die Hazaras (von Herzar, persisch, oder Hasar auf Dari: heißt Tausend ) sind vermutlich mon-golischer Abstammung. Man vermutet ihre Herkunft auch auf Truppenteilen der tür¬kisch-mongolischen Khane-in Khorasan. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt ca. 10 %, .etwa 3 Millionen. Ihre Hauptsiedlungsgebiete werden Hasarajat genannt, sie gehören zu den ärmsten Regionen Afghanistans. Nicht nur ihre Region, sondern auch ihre Religion und Kultur machen sie zu Außensei¬tern. Obwohl sie als sehr fleißig, zuverlässig und gutmütig bekannt sind, wird von der übrigen Bevölkerung auf sie herabgesehen, und sie erleben extreme rassistische, ethno¬zentrische und diskriminierende Beleidigungen sowie Beschimpfungen. Sie sind Schiiten, und ihre Sprache ist ein bestimmter Dari-Dialekt mit vielen türkischen und mongolischen Wörtern, die vor allem in Kabul verspottet werden. Die Hazaras litten besonders unter Amir Abdul Rahman, der ihnen den "heiligen Krieg" (1891/92) ankündigte, weil sie wegen ihrer Religion als "Kafer" angesehen wurden und zum richtigen Islam bekehrt werden sollten.

Die Usbeken, Turkmenen und Kirgisen

Diese drei Volksgruppen machen gemeinsam ca. 10 % der Bevölkerung aus. Vor¬zugsweise leben sie im Norden und Nordwesten des Landes, wobei die Kirgisen und die Mehrzahl der Turkmenen als nomadische Viehzüchter leben. Die Usbeken zählen zu den sesshaften Volksstämmen. Die Sprache ist ein ähnlicher, aber nicht identischer Turk¬dia¬lekt. Während die Kirgisen Viehzucht betreiben, sind die Turkmenen und Usbeken für ihre Karakulschafzucht bekannt, die Frauen sind berühmt für ihre Teppichknüpfarbeiten. Dies gilt insbesondere für die Usbeken in Masarscharef, Schebergan und Meimane. Die Usbe¬ken sind auch berühmt wegen ihrer Leidenschaft für Pferde und dem Reitsport (Buzkaschi). In ihrem Sprachtalent unterscheiden sie sich von den anderen Volksgruppen. Während bei ihnen wie bei den anderen Völkern in Afghanistan die Quote der Analphabeten bei 90% liegt, sprechen sie jedoch neben ihrer eigenen Sprache auch sehr gut Dari. Für sie ist Dari die Verkehrssprache im Umgang mit den übrigen Völkern Afghanistans. Die Kirgisen, die im Pamir sesshaft waren, wurden seit der sowjetischen Invasion zur Flucht gezwungen. Sie leben seit ihrer Vertreibung nun in der Türkei.

Die Nuristani

Das Volk lebte jahrhundertelang in abgeschiedenen Dörfern, vollkommen isoliert, in unzugänglichen Tälern an der Südflanke des Hindukuschs. Es wollte seinen geographi¬schen Lebensraum und seine eigene Kultur und Tradition vor allen Invasoren bewahren, bis es im 19. Jahrhundert gewaltsam islamisiert wurde.

Die Nuristani waren die ersten, die sich gegen das Kommunistische Regime gewehrt haben und sich am 2. Oktober 1979 als unabhängig erklärten. Der 2. Oktober wird in Nuristan als Jahrestag des Widerstandes gegen das Kommunistische Regime gefeiert. Über ihre Abstammung gibt es verschiedene Theorien: Eine der zahlreichen Theo¬rien ist, dass sie zu paschtunischen Stämmen aus der Provinz Kandahar gehören, die nach der Eroberung Kandahars und der Islamisierung der Region ins heutige Nuristan geflo¬hen sind, um hier ihre Götter weiterhin ungestört anbeten zu können. An¬dere rechnen sie zu den Nachfahren der Arianer, andere wiederum zu übriggebliebe¬nen Soldaten Alexanders der Großen. Trotz der Islamisierung im Jahre 1895 unterscheiden sie sich auffällig von anderen Völ-kergruppen Afghanistans, insbesondere darin, was die Arbeitsteilung in der Landwirt¬schaft angeht. In Nuristan bestellt die Frau den Acker, während der Mann sich der Vieh¬zucht widmet. Ihre Sprache ist eine Art Dialekt der Paschtu-Sprache, wird Nuristani Sprache genannt. Neben den oben genannten Völkern leben und arbeiten noch viele andere Gruppen in Afghanistan, die ihre Sprache, Kultur und Tradition pflegen. Es sind Pamir-Völker, Paschai, Aimag, deren Kultur und Tradition jedoch noch weitgehend unbekannt sind.

Abschließend wird noch auf die Gruppe der Hindu hingewiesen.

Die Zahl der Hindus beträgt ca. 20 bis 30.000. Sie sprechen Hurdu, lebten in den Städten, hauptsächlich in Kabul, und haben sich bis vor kurzem eine von den übrigen Völkern des Landes stark differierende Kultur bewahrt. Nach der Machtübernahme der Kommunisten und auch zum Teil nach der Machtübernahme der Islamisten musste auch diese Volksgruppe vollständig Afghanistan verlassen.

 
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